LOTTA LUNDBERG

geboren 1961 in Uppsala, lebt seit 2004 in Berlin. Sie schreibt regelmässig für das Feuilleton des Svenska Dagbladet.

Für ihren Roman „Zur Stunde null“ (2015) wurde sie mit dem renommierten Literaturpreis des schwedischen Rundfunks ausgezeichnet. „Sternstunde“ (2016) wurde von der schwedischen Presse hoch gelobt.


Neuerscheinung in Schweden 2022

Båten (Das Boot)

Sechs einander fremde Frauen treffen sich in Kapstadt, um über den Atlantik auf einem kleinen Segelboot nach Brasilien zu segeln. Sie sind alle über 50 und haben Karriere und Familie hinter sich.
Eine reine Frauenmannschaft. Eine ungewöhnliche Erscheinung in der männerdominierten maritimen Welt. Müssen sie deshalb etwas beweisen? Und wenn ja, was?

Der Alltag auf den Schiff ist salzgetränkt und winddurchblasen, betäubend schön und frustrierend brutal, exponiert und lebensgefährlich wenn jemand einen Fehler macht. Flucht, Versöhnung oder ein verbotener Wunsch nach Freiheit, jede hat ihren Grund das Abenteuer zu suchen.

Im Kontakt mit den Elementen. Dem Sturm, die Tiefe des Meeres, dem Himmelsgewölbe fällt der Firniss ab. Wer sind wir dann?

Rezensionen in der schwedischen Presse:

Neuerscheinung in Schweden 2019

Den första kvinnan (Die erste Frau)

Rezensionen in der schwedischen Presse:
DEN FÖRSTA KVINNAN (2019)
Weitere Rezensionen in der schwedischen Presse
„Lotta Lundbergs Roman über die Wahrheitssucherin Sara Lander ist gedanklich bereichernd, herausfordernd und brillant.“ Västerbottens-Kuriren
„Liebe und Politik werden gleichermaßen treffend geschildert (…) eine unheimliche und überzeugende Darstellung einer nahen Zukunft. Hier ist eine große Freude an sprachlichen Entdeckungen und Besonderheiten zu spüren. Eine Freude, die ansteckt. Das dunkle Hintergrundgeräusch des Buches lässt mich an Michael Houellebecq denken. Es gibt einen Sog, dem man sich nur schwer entziehen kann.“ Upsala Nya Tidning
„Dies ist ein beängstigender Roman. Beim Lesen kriecht Unbehagen in mir hoch – und das aus mehreren Gründen. Ich mag nicht, was ich lese, die Protagonistin ist wenig sympathisch, die geschilderte Zukunft äußerst besorgniserregend. Nur ein wirklich guter Roman, geschrieben von einem Autor, der sein Handwerk versteht, kann so ein Gefühl in mir wecken. (…) Lotta Lundberg hat ein Personenporträt aus einem Guss geschaffen, trügerisch und interessant.“ Borås Tidning
„Die Sprache ist stilistisch elegant und exakt (…) eine treffende Gegenwartsschilderung einer Epoche der Verwirrung, in der es nicht immer einfach ist, Wahrheit von Lüge und Freund von Feind zu unterscheiden.“ Folkbladet Västerbotten
„Selten ist in der schwedischen Prosa eine messerscharfe, desillusionierte Korrespondentin auf Abwegen in einem literarischen Text so kraftvoll gestaltet worden. Es ist gut geschrieben und unterhaltsam, man kann gar nicht aufhören zu lesen, Cliffhanger gibt es nicht. (…) Ein rasantes Leseerlebnis von internationalem Format.“ Expressen
„In der Ich-Form erzählt, aber keine Nabelschau-Autofiktion, sondern eine sorgfältig konstruierte Geschichte mit einem Ideengehalt, der etwas Tiefes und Nachdenkliches über unsere Zeit und unseren Ort in der Welt sagen will.“ Dagens Nyheter
„Lotta Lundberg schafft es wirklich, eine Zeit einzufangen, in der alte Wahrheiten durcheinandergeraten, die liberale Demokratie von neuen alten Mächten in Frage gestellt und das, was vorher schwarz und weiß war, von Grautönen übernommen wird.“ Östersunds-Posten
„Aus einem Guss, scharf und unterhaltsam. (…) Wer würde den großen zeitgenössischen Roman schreiben? Es gibt mehrere, die Puzzleteile beigesteuert haben; Karl Ove Knausgårds Schuld und Schande, Sara Stridsbergs Ausgrenzung und Johannes Anyurus Auseinandersetzung mit seinem Vater in allen Ehren, aber diese, in eleganter Romanform verfasste Analyse dessen, wohin die Gesellschaft unterwegs ist, ist nicht vielen gelungen. Aber Lotta Lundberg schafft es. Jönköpings-Posten
„Ein starkes Frauenporträt in einem Buch über Ost gegen West, Eigenverantwortung und die Ablehnung einfacher Lösungen.“ Damernas Värld (Damenwelt)
„Lundberg schreibt lebhaft über das Leben als junge Frau beim Militär, über das Leben als Korrespondentin, über großartige Champagnerpartys, Politik, Machtspiele und Erotik. Sie lauscht der Gegenwart mit absolutem Gehör und beschreibt eine Zukunft, in der die EU zusammengebrochen ist und Schweden, Dänemark und Norwegen die Union Scandland gegründet haben.“ Femina

Neuerscheinung in Deutschland 2016

Sternstunde

New York 1932: Die Kleinwüchsigen Glauer und Ka treten in einer Freakshow auf. »Hereinspaziert, schaut und staunt«, so lockt Glauer in Coney Island Zuschauer an. Neugierige Blicke und schlimmere Erniedrigungen sind er und Ka gewohnt. Aber ein normales Leben muss doch möglich sein? Sie nehmen den Dampfer nach Deutschland, Ziel ist das glitzernde Berlin mit seinen Varietés.

Dort treffen sie auf Verner, den kleinsten Mann der Welt, und das einsame Blumenmädchen Nelly. Doch die Zeiten sind unsicher geworden, und als sie eingeladen werden, im Stockholmer Vergnügungspark mit dem idyllischen Namen »Gröna Lund«, grünes Wäldchen, aufzutreten, nehmen sie dankbar an.

Mitreißend und kraftvoll erzählt Lotta Lundberg über eine wundersame Reise und die Sehnsucht nach Liebe und Respekt in unbehaglichen Zeiten, die allzu vertraut scheinen.

DIE ÜBERSETZERIN Nina Hoyer, geboren 1974, studierte Nordistik in Kiel und Buchwissenschaften in München. Seit 2009 arbeitet sie als Literaturübersetzerin aus dem Schwedischen, Dänischen und Norwegischen. Sie lebt auf der Insel Sylt und in Schweden.


Neuerscheinung in Deutschland 2015

Zur Stunde Null - Lotta Lundberg

Zur Stunde Null

Stunde Null – der totale Zusammenbruch und gleichzeitig ein Neuanfang. Drei Frauen aus drei Generationen, die an einem Wendepunkt in ihrem Leben angelangt sind, die vor den Ruinen ihres Lebens stehen. Gibt es für sie noch eine Chance, auch wenn das Schlimmste schon passiert ist? Lotta Lundberg erzählt von ihren Träumen, ängsten und Hoffnungen und spannt dabei den Bogen vom Berlin im Jahr 1945 bis ins heutige Schweden.

Was ist das Schlimmste, was eine Frau tun kann? Was ist am strengsten verboten? Die Schriftstellerin Hedwig hat ihre Tochter nicht vor den Nazis gerettet und stattdessen alles getan, um weiter schreiben zu können. Nun muss sie mit der Schuld leben. Ihr Schicksal spiegelt sich in dem von Isa, einem wütenden jungen Mädchen aus Uppsala, dessen Mutter fortgezogen ist, und in dem von Ingrid, die vor der Entscheidung steht, ihren Mann zu verlassen. Für ihre Freiheit, für ein selbstbestimmtes Leben haben alle drei einen hohen Preis zu zahlen.

Übersetzung: Nina Hoyer


DER ROMANPREIS DES
SCHWEDISCHEN RUNDFUNKS 2015

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Autorin Lotta Lundberg wurde für ihren Roman ”Zur Stunde Null” mit dem Romanpreis des Schwedischen Rundfunks (Sveriges Radios Romanpris) 2015 ausgezeichnet. Der Romanpreis des Schwedischen Rundfunks ist einer der wichtigsten Literaturpreise in Schweden und dotiert mit 50.000 Kronen. Zu den Preisträgern gehören Henning Mankell, Aris Fioretos und Kjell Westö. Lotta Lundberg ist die 22. Preisträgerin.

Aus der Begründung der Jury:

Es ist unglaublich berührend, dass so kluge Menschen sich die Zeit genommen haben, über etwas nachzudenken, woran ich so lange gearbeitet habe, so Lotta Lundberg.

Der Roman überzeugt durch seine Form, Lundberg verknüpft die Schicksale dreier Frauen auf virtuose Weise, so Roger Svedberg, Musiker und Mitglied der Jury.


Warum bin ich in Berlin – geblieben?

”2004 zog ich für die Recherchen zu meinem vierten Roman nach Berlin.
Skynda, kom och se (2006) handelt von der Atmosphäre, den Ideologien und Utopien der Dreißigerjahre. Eine Gruppe kleinwüchsiger Zirkusartisten zieht von New York nach Berlin und schließlich weiter nach Stockholm. Ich wollte einen Roman über Ausgrenzung, Freundschaft, Würde und die Sehnsucht nach Anerkennung und Normalität schreiben. Ich wollte den Zeitgeist in den Jahren vor dem Krieg in Schweden mit dem in Deutschland vergleichen. Ein Drittel des Romans spielt in Berlin.

Mit diesem Roman gelang mir der Durchbruch, Skynda, kom och se wurde von der schwedischen Kritik gefeiert und in mehrere Sprachen übersetzt. (2016 erschien die deutsche Übersetzung Sternstunde bei Hoffmann und Campe).

Ich bin in Berlin geblieben, bin hier als Romanautorin tätig und arbeite als Kolumnistin. Meine Kolumne im Svenska Dagbladet hilft mir, meinen scharfen und kritischen Blick auf meine beiden Heimatländer zu behalten.

Einen Roman zu schreiben dauert Jahre. Viele Jahre. Damit in dieser langen Zeit das Thema für mich selbst nicht an Faszination verliert, muss es sich um etwas handeln, was mich gefangen nimmt. Worin ich mich voller Begeisterung immer wieder aufs Neue vertiefen kann: ein moralisches Dilemma oder eine existenzielle Frage.

In Berlin spüre ich die lebendige Geschichte und die Fragen, die sie stellt. Die jüngste Vergangenheit ist überall präsent, es geht um Fragen von Schuld und Scham, die Verantwortung und den Versuch, diese zu vermeiden. Menschen suchen oft nach schnellen Lösungen, um den eigenen Schmerz zu lindern. Ich aber glaube, dass unser Leben den Schmerz braucht. Die Kunst hilft uns, sowohl unser zerstörerisches Potenzial als auch unsere Sehnsucht nach Schönheit und Liebe zu entdecken. Viele meinen, Literatur verführe und entführe; dass das Lesen nur eine Flucht zu einem Wohlfühlort ist. Für mich aber gleicht die Literatur einem Gewächshaus, in dem ich selber wachsen kann, in dem aber auch meine Leser Nahrung finden.

Schweden konnte mir dies auf die Dauer nicht bieten. Schweden ist wunderschön, aber sehr verwöhnt, bequem und ziemlich langweilig. Die existenziellen Themen, mit denen Deutschland sich beschäftigt, werden in Schweden lieber in die Kirche verbannt, einige meinen sogar, dass Schweden friedensgeschädigt ist. Ein kontroverser Begriff. Nichtsdestotrotz erzählt er mir etwas Wichtiges: was ein Mangel an Erfahrung mit einem Volk machen kann.
Diese Armut ist keine Quelle der Inspiration.

Der andere Grund, in Berlin zu bleiben, ist der literarische Trend, Autofiktion zu vermeiden. Geschichten zu schreiben, in denen die Autorin die Hauptrolle spielt, wurde in den letzten 20 Jahren zu einer Flut in Skandinavien, was ich bedauere. Publizierte Tagebücher werden selten zu Literatur. Die Kunst ist viel schöner. Und größer.
Ich behaupte sogar, dass das Verständnis des Fiktionalen in Gefahr ist. Erlösung gibt es nur über die Fiktion.

Mein Schreiben versucht immer, einen ethischen Konflikt zu ergründen. Die meisten Berufe sind ziemlich eindeutig: Ein Arzt heilt, ein Jurist kämpft für das Recht, ein Lehrer erzieht und vermittelt geistige Nahrung. Nur die Schriftsteller und Künstler sind unabhängig und können Fragen stellen, ohne eine Antwort geben zu müssen. Ich suche keine Antworten, ich untersuche Vorurteile und Tabus. Was mich fasziniert, ist die menschliche Ambivalenz. Und diese ist oft kontrovers. Immer noch – in Berlin.

Sich für eine Erfahrung einem anderen Menschen zu öffnen, ist das größte Risiko, das man eingehen kann. Das bietet die Fiktion.”

Lotta Lundberg, Autorin und Publizistin

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