Neuerscheinung in Schweden 2019:

DEN FÖRSTA KVINNAN

Rezensionen in der schwedischen Presse:

„Es ist möglich, „Den första kvinnan“ als Zukunftsdystopie oder als Debattenbeitrag in Romanform zu lesen. Es ist ein bitterer Cocktail der Enttäuschung und der Kritik am naiven Schweden, das das Wort „naiv“ noch dazu als unschuldig interpretiert, „während der Rest der Welt unter Naivität Unwissenheit versteht.“ Aber es ist ebenso wie in „Zur Stunde Null“ eine ständige prüfende Selbstbetrachtung, ein innerer Streit darüber, was wahr sein soll – sowohl mit sich selbst als auch mit der Zeit, in der man lebt. „Den första kvinnan“ ist ein Buch wie gemacht, um darüber zu sprechen, ein Roman über ein weit entferntes und zugleich sehr nahes Europa. Allein das Lesen ist ein bisschen wie der Besuch einer Party in einer Wohnung mit einer ungewöhnlich intensiven Diskussion in der Küche. Romane mit so hoher Dialogdichte kennen wir von Doris Lessing und Kerstin Ekman.“
Anneli Dufva, SvD

„Es macht so viel Spaß, einen Roman zu lesen, in dem es um etwas geht! Zum Beispiel um russische Verben und Befragungstechniken und Frauen, die Dinge zusammen tun, ohne über ihr Gewicht zu reden. Aber in Lotta Lundbergs Sprache könnten sie auch über Fahrpläne sprechen. Ich mache alles mit. (…) Das ist krass. Die Verschleierungen der feministischen Außenpolitik können sogar bei einer Feministin zu Unbehagen führen.“
Ulrika Knutsson, P1 Kulturnachrichten

„Lotta Lundberg ist eine originelle und stets tiefgründige und lesenswerte Autorin, ein wenig auf Kriegsfuß mit gängigen Wahrheiten und mit einem ungewöhnlich starken Interesse an Gegenwart und Geschichte. (…) Sie schafft es auch, eine ganz besondere Stimmung zu schaffen, in der der Text mit einem fieberhaften, unsicheren und verrückten Zeitgeist geladen wird. Mutig von Lundberg, sich auf das Le-Carré-Glatteis zu begeben. Der Tonfall macht „Den första kvinnan“, diesen Roman der Auslassungen, so unglaublich aufregend zu lesen.“
Maria Edström, Göteborgs-Posten

Weitere Informationen bei Partners in Stories

New York 1932: Die Kleinwüchsigen Glauer und Ka treten in einer Freakshow auf. »Hereinspaziert, schaut und staunt«, so lockt Glauer in Coney Island Zuschauer an. Neugierige Blicke und schlimmere Erniedrigungen sind er und Ka gewohnt. Aber ein normales Leben muss doch möglich sein? Sie nehmen den Dampfer nach Deutschland, Ziel ist das glitzernde Berlin mit seinen Varietés.

Dort treffen sie auf Verner, den kleinsten Mann der Welt, und das einsame Blumenmädchen Nelly. Doch die Zeiten sind unsicher geworden, und als sie eingeladen werden, im Stockholmer Vergnügungspark mit dem idyllischen Namen »Gröna Lund«, grünes Wäldchen, aufzutreten, nehmen sie dankbar an.
Mitreißend und kraftvoll erzählt Lotta Lundberg über eine wundersame Reise und die Sehnsucht nach Liebe und Respekt in unbehaglichen Zeiten, die allzu vertraut scheinen.

DIE ÜBERSETZERIN Nina Hoyer, geboren 1974, studierte Nordistik in Kiel und Buchwissenschaften in München. Seit 2009 arbeitet sie als Literaturübersetzerin aus dem Schwedischen, Dänischen und Norwegischen. Sie lebt auf der Insel Sylt und in Schweden.
Sternstunde erscheint bei Hoffmann und Campe

Zur Stunde Null - Lotta Lundberg

Stunde Null – der totale Zusammenbruch und gleichzeitig ein Neuanfang. Drei Frauen aus drei Generationen, die an einem Wendepunkt in ihrem Leben angelangt sind, die vor den Ruinen ihres Lebens stehen. Gibt es für sie noch eine Chance, auch wenn das Schlimmste schon passiert ist? Lotta Lundberg erzählt von ihren Träumen, ängsten und Hoffnungen und spannt dabei den Bogen vom Berlin im Jahr 1945 bis ins heutige Schweden.

Was ist das Schlimmste, was eine Frau tun kann? Was ist am strengsten verboten? Die Schriftstellerin Hedwig hat ihre Tochter nicht vor den Nazis gerettet und stattdessen alles getan, um weiter schreiben zu können. Nun muss sie mit der Schuld leben. Ihr Schicksal spiegelt sich in dem von Isa, einem wütenden jungen Mädchen aus Uppsala, dessen Mutter fortgezogen ist, und in dem von Ingrid, die vor der Entscheidung steht, ihren Mann zu verlassen. Für ihre Freiheit, für ein selbstbestimmtes Leben haben alle drei einen hohen Preis zu zahlen.

Übersetzung: Nina Hoyer.
Zur Stunde Null erscheint bei Hoffmann und Campe

DER ROMANPREIS DES SCHWEDISCHEN RUNDFUNKS 2015

Autorin Lotta Lundberg wurde für ihren Roman “Zur Stunde Null” mit dem Romanpreis des Schwedischen Rundfunks (Sveriges Radios Romanpris) 2015 ausgezeichnet. Der Romanpreis des Schwedischen Rundfunks ist einer der wichtigsten Literaturpreise in Schweden und dotiert mit 50.000 Kronen. Zu den Preisträgern gehören Henning Mankell, Aris Fioretos und Kjell Westö. Lotta Lundberg ist die 22. Preisträgerin.

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Aus der Begründung der Jury:

“Lotta Lundberg schildert mit bezwingender sprachlicher und formaler Brillianz die Suche nach einer Berufung im Leben, nach Spielregeln und grenzenloser Liebe. Sie zeigt auf, welch tiefe Kluft besteht zwischen dem Menschen, der man ist und dem, der man hätte sein wollen.”

“Es ist unglaublich berührend, dass so kluge Menschen sich die Zeit genommen haben, über etwas nachzudenken, woran ich so lange gearbeitet habe”, so Lotta Lundberg.

“Der Roman überzeugt durch seine Form, Lundberg verknüpft die Schicksale dreier Frauen auf virtuose Weise”, so Roger Svedberg, Musiker und Mitglied der Jury.

Mein Schreiben sucht immer
einen ethischen Konflikt zu ergründen

„Einen Roman zu schreiben dauert Jahre. Viele Jahre. Damit in dieser langen Zeit das Thema für mich selbst nicht an Faszination verliert, muss es sich um etwas handeln, was mich gefangen nimmt. Worin ich mich voller Begeisterung immer wieder aufs Neue vertiefen kann: ein moralisches Dilemma oder eine existentielle Frage.

Dann verbringe ich Stunden und Tage in Bibliotheken, sehe mir jeden Film darüber an und suche die Orte auf, über die ich schreibe. Um meine Protagonisten genau herauszuarbeiten brauche ich viele Wege, um mich ihnen immer wieder von einer neuen Seite zu nähern. Oder wie es mal jemand formulierte: „Man muss alle Flaschen in der Bar probiert haben, um einen besonderen Cocktail zu kreieren…“

Dies ist zu gleichen Teilen mühsam wie wundervoll. Deshalb kann ich ehrlich sagen, daß Schreiben meine Leidenschaft ist. Ob vielleicht die Phantasie der Schlüssel zur Empathie ist oder die Empathie der Schlüssel für die Phantasie? Nur wenn ich mich in meine Protagonisten fühlen kann, wird es für den Leser authentisch klingen.

Die meisten Berufe sind ziemlich eindeutig: ein Arzt heilt, ein Jurist kämpft für das Recht, ein Lehrer erzieht und vermittelt geistige Nahrung. Nur die Schriftsteller und Künstler sind unabhängig und können Fragen stellen, ohne eine Antwort geben zu müssen. Ich suche keine Antworten, ich untersuche Vorurteile und Tabus. Was mich fasziniert ist die menschliche Ambivalenz. Und diese ist oft kontrovers.

Zur Zeit lebe ich in Berlin. In dieser Stadt spüre ich die lebendige Geschichte und die Fragen die sie stellt. Die jüngste Vergangenheit ist überall präsent, es geht um Fragen von Schuld und Scham, die Verantwortung und den Versuch diese zu vermeiden. Menschen suchen oft nach schnellen Lösungen um den eigenen Schmerz zu lindern. Ich aber glaube, daß unser Leben den Schmerz braucht. Die Kunst hilft uns sowohl unser zerstörerisches Potential als auch unsere Sehnsucht nach Schönheit und Liebe zu entdecken. Viele meinen; Literatur verführe und entführe: dass das Lesen nur eine Flucht zu einem Ort des Sich Wohlfühlens sei. Für mich aber, gleicht sie einem Gewächshaus, in dem ich selber wachsen kann. In dem aber auch meine Leser Nahrung finden.“

Lotta Lundberg, Autorin und Publizistin