LOTTA LUNDBERG BIOGRAPHIE

Lotta Lundberg, geboren 1961 in Uppsala, arbeitete fünf Jahre als Lehrerin, bis 1998 ihr literarisches Debüt Låta sig hända (Sich geschehen lassen) erschien. In dem Roman verliebt sich eine Lehrerin in ihre Schülerin – das Buch erregte große Aufmerksamkeit und wurde in Schweden zur Pflichtlektüre für Lehramtsstudenten.

Ihr zweiter Roman Färdas på en blick (Fahrt auf einem Blickwechsel, 2001) spielt in Wien und handelt von Begierde, Zweifeln und weiblicher Sexualität.

2003 erschien Allt jag vill ha (Alles, was ich haben will). Hier wird voller Tragikomik davon erzählt, wofür man Väter braucht. Der Roman spielt in Irland.

2004 zog Lundberg für die Recherchen zu ihrem nächsten Roman nach Berlin. Skynda, kom och se (Sternstunde, 2006) handelt von der Atmosphäre, den Ideologien und Utopien in den dreißiger Jahren. Eine Gruppe kleinwüchsiger Zirkusartisten zieht von New York nach Berlin und schließlich weiter nach Stockholm. Ein Roman über Ausgrenzung, Freundschaft, Würde und die Sehnsucht nach Anerkennung und Normalität. Mit diesem Roman gelang Lundberg der Durchbruch, sie erhielt für ihn das Albert Bonnier Stipendium. Skynda, kom och se wurde von der schwedischen Kritik gefeiert und in mehrere Sprachen übersetzt. 2016 erscheint die deutsche Übersetzung bei Hoffmann und Campe.

Lotta Lundberg ist in Berlin geblieben. Sie ist nicht nur als Romanautorin tätig, sondern arbeitet außerdem als Journalistin und Literaturkritikerin. Für das Feuilleton mehrerer großer schwedischer Tageszeitungen berichtet sie über Deutschland und sie schreibt regelmässig eine Kolumne für Svenska Dagbladet.

2007 gab sie die Anthologie Tyskland berättar – den mindre halvan av världen (Deutschland erzählt – die kleinere Hälfte der Welt) heraus. Außerdem schrieb sie das Nachwort zu der schwedischen Neuübersetzung von Christoffer Isherwoods Roman Leb wohl, Berlin.

2011 erschien die Essaysammlung Visklek (Stille Post), eine philosophische Betrachtung über die Bedeutung des Schreibens und Lesens. Die Kehrseite des Tabus ist das Heilige.

Nach zwei Monaten in der Südsee schrieb Lundberg den Roman Ön (Die Insel, 2012). In fiktionalisierter Form wird hier die Tragödie der Pitcairn Islands erzählt, die Insel der Meuterer von der Bounty, die in den neunziger Jahren von einem Skandal um sexuelle Übergriffe erschüttert wurde. Wem gehört das Paradies? Wer kann seine Vorstellung davon lösen? Wann ist Sexualität ein Übergriff? Ön war für den renommierten Literaturpreis des Schwedischen Rundfunks nomminiert.

Lotta Lundberg hat Politologie und Germanistik studiert. 2000 schloss sie ihre Ausbildung als Psychodramatikerin ab. Sie hat in Wien Deutsch gelernt und lange Zeit in Irland gelebt. Sie arbeitete als Touristenführerin und begleitete schwedische und amerikanische Reisegruppen hinter den Eisernen Vorhang. Drei Jahre lang war sie Vorsitzende des Frauenhauses in Uppsala.

Wiederkehrende Motive in Lundbergs Werk sind Fragen nach Identität und Würde, Normalität und gesellschaftlichen Tabus. Sie erzählt von ethischen Konflikten, ohne ihren Lesern einfache Lösungen anzubieten.